Schicksalsspiel

Nach Jahren in denen ich an dieser Geschichte immer wieder geschrieben hatte, kann ich nun endlich verkünden, dass Anna und Adrian ihr HappyEnd bekommen haben. Die Geschichte "Einmal um die Erde" heißt nun  "Schicksalsspiel - Die Geschichte von Anna und Adrian". 

Vorerst wird es sie nur bei Amazon zu kaufen geben, da ich mal wieder KDP-Select testen will.

 

Hier schon mal zum einstimmen der Prolog:

 

 

Prolog

August 2011

 

Anna saß in einem kleinen Café am Stadtrand. Auf dem Tisch standen ihr Laptop und eine Tasse Tee. Ihre Finger flogen nur so über die Tastatur. Sie wollte die Geschichte zu Papier bringen, bevor sie der Mut verließ. Es war ein letzter verzweifelter Versuch, die Uhr zurück zu drehen. Leise Musik lief im Hintergrund. Irgend so ein Liebesgesülze. Es lenkte sie ab, auch wenn sie eine Liebesgeschichte aufschrieb. Sie trank noch einen Schluck und bat die junge Kellnerin wortlos um noch eine Tasse. Es war bereits ihre vierte, seit sie sich vor zwei Stunden vor dem Regen hier rein gerettet hatte. In ihrer Wohnung konnte sie nicht schreiben. Nicht diese Geschichte. Die Erinnerung sollte nicht in ihre eigenen Wände dringen. Auch wenn das blödsinnig war, denn das, was sie nun, nach Jahren, aufschrieb, würde sie nie loslassen. Also konnte sie genauso gut wieder nach Hause gehen. Dort saß sie zumindest gemütlicher, als in Parks, oder irgendeinem Café.

 

Seufzend speicherte sie die Datei, trank den soeben gebrachten und daher noch heißen, Tee und fuhr den Laptop herunter. Ein Blick hinaus verriet ihr, dass der Regen zwar nachgelassen hatte, doch noch immer unablässig auf den Asphalt plätscherte. Noch einmal seufzte sie, bevor sie den Laptop in seiner wasserdichten Tasche verstaute und zur Sicherheit diese noch in eine Plastiktüte schob. Danach zahlte sie und lief widerwillig hinaus in den Regen.

 

Der Sprint bis zu ihrem Auto hatte sie schon fast durchnässt, obwohl es nur knapp hundert Meter entfernt von dem Café geparkt war, gegenüber des Parks, in dem sie zuvor gesessen hatte, als noch die Sonne schien.

‚Ein furchtbarer Sommer, so unberechenbar’ fuhr es Anna durch den Kopf. Dann strich sie sich eine der feuchten Strähnen aus dem Gesicht und startete den Motor. Vor einem Supermarkt parkte sie den Wagen. Wenn sie die Geschichte mit in ihre Wohnung nahm, würde sie dringend Schokolade brauchen. Vielleicht ein paar Pralinen. Bislang hatte sie die Diät ja auch konsequent durchgezogen. Fünf Kilo in einem Monat hatte sie schon abgespeckt. Klar, es waren noch immer zehn zuviel, doch eine kleine Belohnung könnte sie sich jetzt gönnen. Sie schob den Laptop in den Fußraum des Beifahrersitzes und stieg aus. Sie hatte Glück, der Regen war inzwischen zu einem leichten Tröpfeln geworden. Anna betrat den Laden und nahm sich am Eingang einen Einkaufskorb, denn wo sie nun schon hier war, würde sie auch die Lebensmittel für die kommenden Tage einkaufen können.

‚Etwas Obst?’ fragte sie sich selber in Gedanken. Doch danach stand ihr nicht der Sinn. Zu oft hatte im letzten Monat eine komplette Mahlzeit nur aus Obst bestanden. Jetzt wollte sie endlich wieder ein schönes fettiges Stück Schweinefleisch. Und das hatte sie sich eigentlich auch verdient. Denn nicht nur mit der Diät war sie konsequent gewesen, nein sie hatte zudem auch endlich einen Verlag für ihr erstes Buch gefunden. Nach einer Suche, die über zwei Jahre gedauert hatte und die immer wieder von Rückschlägen geprägt war. Doch jetzt ging es endlich wieder bergauf. Besonders, weil sie ihren Job als Telefonistin gegen eine Stelle in einer Buchhandlung tauschen konnte. Daher gönnte sie nicht nur eine Schachtel Pralinen und ein Kotelett, nein zu dem Kotelett würde es heute noch Rahmgemüse geben. Der Einfachheit halber aber aus der Tiefkühltruhe. Beschwingt griff sie nach einem Sechserträger Sprudel. Das einzig Gesunde, was sie heute zu sich nehmen würde. Auch wenn ihr der Sinn eigentlich eher nach einem Cappuccino stünde. Doch das wäre dann zuviel des Guten. Und zu sehr wollte sie die Diät dann doch nicht strapazieren. Die ansonsten langen Schlangen an den drei geöffneten Kassen waren heute überraschenderweise nicht vorhanden und der Kassierer an Kasse drei, die dem Ausgang am nächsten war, schien fast froh über Annas Erscheinen. Ihr Blick glitt zu den Zigarettenpackungen. Doch schon seit Jahren rauchte sie nicht mehr. Und gerade jetzt wieder damit anzufangen, wäre schon mehr als Dummheit. Daher bezahlte sie ihre Waren, nachdem sie noch eine Stofftragetasche hinzu gefügt hatte und verabschiedete sich. Da der Regen nun komplett aufgehört hatte, ging sie langsam zu ihrem Wagen. Der Asphalt dampfte unter der Sommersonne, die trotz der andauernden Regenschauer in diesem Jahr, mit Macht brannte. Die Einkäufe verstaute Anna im Kofferraum. Endlich konnte sie nach Hause fahren.

 

Zwei Stunden später saß sie an ihrem Schreibtisch. Der Cursor blinkte auf dem Bildschirm ihres Laptops und die Finger lagen auf der Tastatur. Doch sie tippte nicht. Ihre Gedanken wanderten zu sehr zurück zu dem, was sie beschreiben wollte, als dass sie es zu Papier bringen konnte. Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus und das lag nicht an dem fettigen Fleisch, oder dem Gemüse in der Sahnesoße. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, aufzuschreiben, doch die Erinnerungen drängten machtvoll in ihre Gedanken. Sie musste sie aufschreiben, um sie loszuwerden.

 

Nun gönnte sie sich doch einen Cappuccino. Während das Wasser kochte, holte sie ihr Fotoalbum aus dem Schrank und sah sich die Bilder des übergewichtigen blonden Mädchens an, dass sie vor 13 Jahren gewesen war. Übergewichtig war sie noch immer, doch das leicht schmutzig wirkende Blond war einem hübschen rotbraun gewichen. Alle drei Wochen gönnte sie sich das Färben beim Friseur und auch sonst gab sie inzwischen auf ihr Äußeres acht. Anders, als damals. Sie blätterte weiter, zu den Bildern, die sie beim Kellnern in ihrer Stammkneipe zeigten. Damit hatte sie sich während des Abiturs und des Studiums, dass sie begonnen hatte, etwas Geld verdient. Manchmal fragte sie sich, wo das junge Mädchen nur die ganzen Träume verloren hatte. Sie hatte Literaturwissenschaften und Germanistik studieren, in einem Lektorat arbeiten und nebenher schreiben wollen. Und jetzt verkaufte sie Bücher, las viele und das Schreiben kam oft zu kurz. Nur drei Seiten weiter gab es Bilder, die den Grund für ihre Planänderungen zeigte.

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